Zuerst erschienen im „Armendienst“, Jahrgang 40/3, im August 2025
Plötzlich auftretende Notlagen bringen Menschen an ihre Grenzen. Die VG hilft dort, wo Unterstützung fehlt und zwar schnell und mit großem Engagement. Von: Walter Gufler

Südtirol ist ein wohlhabendes Land und hat auch ein gut ausgebautes Wohlfahrtssystem. Trotzdem gibt es eine steigende Anzahl an Familien und Einzelpersonen, die sich in finanziellen Nöten befinden und denen von der öffentlichen Fürsorge nur teilweise oder gar nicht geholfen werden kann. Es geht um Notlagen, die infolge gewisser Umstände plötzlich entstehen oder die dauerhaft sind. In diesen Fällen wenden sich die Betroffenen an karitative Hilfsorganisationen, wie es die VG ist. Diese ist mit ihren Konferenzen und Helfer*innen-Gruppen in allen Bezirken präsent und kann schnell und unbürokratisch helfen, wenn jemand in Not ist.
In der Landeshauptstadt Bozen gibt es sechs Vinzenzkonferenzen mit gleicher Ausrichtung. Eine davon ist die Vinzenzkonferenz „Unsere liebe Frau vom Moos“, die aus vier Mitgliedern besteht. Ihr Vorsitzender, Erich Gruber, hält mehrmals pro Woche Sprechstunden im Beratungszentrum der Konferenz ab. Dort erhalten hilfsbedürftige Menschen Beratung und Unterstützung. Im laufenden Jahr gab es bereits mehrere Fälle von Familien oder Einzelpersonen, die dringend finanzielle Verpflichtungen erfüllen mussten, dazu jedoch nicht in der Lage waren. Zwar gehen sie alle einer regulären Beschäftigung nach, konnten aber dennoch keine Unterstützung von der öffentlichen Hand erhalten. In fast allen Fällen handelte es sich um Menschen mit Migrationshintergrund.
Zugewanderte Menschen stehen oft vor großen Hürden wenn sie bei uns ankommen und Hilfe benötigen. Der Zugang zu finanziellen Leistungen der öffentlichen Hand ist genau geregelt und an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die erfüllt sein müssen, um entsprechende Unterstützung zu erhalten. Die Härtefälle, mit denen sich die Vinzenzkonferenz befassen muss, betreffen häufig Menschen oder Familien, die schon seit einiger Zeit hier leben und sich eine Existenz aufgebaut haben. Dann treten jedoch unerwartete Ereignisse ein, die sie in eine finanzielle Schieflage bringen.
Ein Beispiel ist der Fall einer Frau, die gemeinsam mit ihrem Ehemann ein Café geführt hat. Nach der Trennung sah sie sich mit erheblichen Nachzahlungen konfrontiert, da das Lokal auf ihren Namen angemeldet war. Inzwischen hat sie eine neue Partnerschaft begonnen und eine passende Wohnung gefunden. Um diese mieten zu können, müsste sie jedoch eine Kaution in Höhe von drei Monatsmieten, rund 3.000 Euro, hinterlegen. Diese Summe kann sie mit ihrem derzeitigen Einkommen nicht aufbringen.
Ein weiterer Fall betrifft einen selbstständigen Wanderhändler mit einer siebenköpfigen Familie. Trotz großer Bemühungen reicht sein Einkommen nicht aus, um die laufenden Fixkosten zu decken. Öffentliche Unterstützung erhält er nicht. Zusätzlich wurde ihm die Wohnung gekündigt. Glücklicherweise konnte er mittlerweile eine neue Unterkunft zu einem günstigeren Mietpreis finden und bereits beziehen. Doch es gibt weitere finanzielle Herausforderungen: Eine ausstehende Sozialversicherungsrate von 670 Euro muss dringend beglichen werden. Der Mann hofft, dass sich sein Geschäft im Sommer besser entwickelt, damit er seine Verpflichtungen künftig wieder selbstständig erfüllen kann. Aktuell benötigt er jedoch dringend 2.000 Euro, um zwei Monatsmieten sowie die fällige Sozialversicherungsrate begleichen zu können.
Besonders zu Herzen ging dem Vorsitzenden der Vinzenzkonferenz der Fall einer kurdischen Familie, die aus ihrer früheren Heimat in der Osttürkei fliehen musste. Bei einem Einsatz der türkischen Armee wurde das Haus der Familie zerstört, die Mutter des Familienvaters überlebte den Angriff nicht. Die Familie floh nach Südtirol und erhielt hier Schutz. Sie wurde in einer Notunterkunft „Graf Forni“ in Bozen untergebracht. Dort gibt es Schlafplätze für obdachlose Menschen, auch einige für Frauen* mit Kindern. Als dauerhafter Wohnraum für eine mehrköpfige Familie ist das Haus jedoch nicht geeignet. Die vier Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren besuchen eine deutschsprachige Schule. Der Vater, von Beruf Schlosser, konnte inzwischen eine Arbeitsstelle finden. Sein türkischer Führerschein konnte mit Unterstützung der Vinzenzkonferenz auf Italien übertragen werden. Um Busse lenken zu dürfen benötigt er aber noch eine Zusatzprüfung, auf die er sich nun mit unserer Hilfe vorbereitet. Zusätzlich muss er seine Deutsch- und Italienischkenntnisse weiter verbessern. Seine kranke Frau stellt für ihn eine zusätzliche Belastung dar. Die Vinzenzkonferenz versuchte zu helfen und traf dabei auf einen in Österreich lebenden Südtiroler, der eine Altstadtwohnung in Bozen besitzt und sich bereit erklärte, sie gegen eine geringe Miete Not leidenden Menschen zur Verfügung zu stellen.
Auch auf so eine Weise kann man Menschen, die helfen möchten mit Hilfesuchenden zusammenbringen. Für uns ist das ein gutes Beispiel dafür, was eine VG bewirken kann!
