Zuerst erschienen im „Armendienst“, Jahrgang 39/4, im Oktober 2024
Als Gründungsmitglied und nunmehriger Obmann der VinziWerke habe ich in den letzten Monaten oft an Wolfgang gedacht. Anlässlich des Gedenkgottesdienstes zum ersten Todestag habe ich „unserem Wolfgang“ einen Brief geschrieben.
Von: Thomas Ferk

Wolfgang, „deine“ VinziWerke sind ein Werk der tätigen Nächstenliebe. Für die meisten von uns ist ein gutes Leben selbstverständlich. Wir müssen uns keine Sorgen machen um das Wohnen, das Einkaufen, um unser Wohlbefinden. Und das ist gut so. Daneben gibt es aber auch jene, die mit dem Leben überfordert sind oder in eine Notlage kommen – oft unverschuldet und aus heiterem Himmel.
Wolfgang, Du hast es uns vorgelebt, „Not zu sehen“ und zu handeln, niemanden zurückzulassen oder gar allein zu lassen. Wenn wir Not sehen, handeln wir und übernehmen Verantwortung für unsere Mitmenschen. Rasches Handeln, Spontanität, Flexibilität – diese Fähigkeiten hast du uns vorgelebt und sind weiterhin gefragt. Dort, wo Not ist, ist auch Hilfe! Das haben wir in „deinen“ VinziWerken im ersten Jahr ohne dich versucht gut weiterzuleben. Du kannst stolz darauf sein, auch wenn es nicht immer einfach war. Ich danke allen Mitarbeiter*innen, den unzähligen Ehrenamtlichen und allen Unterstützer*innen dafür. Und ich danke allen, die weiterhin mit uns gemeinsam den Weg des Miteinanders und der Menschlichkeit gehen.
Die politische und wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre und die andauernden furchtbaren Kriege lassen befürchten, dass es Armut und Obdachlosigkeit weiter geben wird. Lieber Wolfgang, die Vinzenzgemeinschaften und „deine“ VinziWerke werden auch in Zukunft ein Sprachrohr der Armen sein und verhindern, dass weggeschaut wird, wo Hilfe notwendig ist.
Wolfgang, ich und wir alle danken dir. Du hast es verstanden, Menschen für eine Sache zu begeistern und zu überzeugen, dass Sie durch ihre Unterstützung eine bessere Zukunft für uns alle schaffen. Wir vermissen Dich – und bitte schau auf uns!
Ich möchte aber nicht mit meinen Gedanken, mit meinem Brief an Wolfgang enden, sondern mit Worten, welche er vor einigen Jahren an uns gerichtet hat:

„Mit Respekt und Dankbarkeit blicke ich auf das zurück, was von jungen Menschen vor vielen Jahren begonnen wurde und ich wünsche allen in diesen VinziWerken Beteiligten weiterhin genügend Kraft und Freude, ihren Armendienst mit Fantasie und unter Einsatz aller Kräfte fortzusetzen. Gleichzeitig wünsche ich ihnen, dass sie spüren, zu welcher schönen Aufgabe sie sich entschlossen haben. Möge dieser Funke, der mittlerweile zu einem Feuer geworden ist, viele anstecken und aus demselben Geist dazu beitragen, dass das Leid armer Menschen in unserem Land verringert oder gar beendet wird. Gott der Herr gebe dazu seinen Segen.“
Wolfgang Pucher, 1939-2023
