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Krimidinner

Am Sonntag, dem 13. April, verwandelte sich das VinziLife in den Schauplatz eines fiktiven Verbrechens. Im Rahmen eines Krimi-Dinners haben wir mit einigen Bewohnerinnen, Ehrenamtlichen und Angehörigen das Jahr 1969 zum Leben erweckt und sind gemeinsam auf Mörder*innensuche gegangen – mitten am Woodstock-Festival, mit Pizza, Kuchen und jeder Menge bis dahin unerkanntem Schauspieltalent. Ein wirklich schöner Nachmittag der allen Freude bereitete und bestimmt nicht der letzte dieser Art sein wird. Von: Nathalie Kosel

Auch wenn wir an diesem Tag auf spielerische Weise andere Identitäten angenommen haben, macht es doch an einen Themenbereich aufmerksam, der unseren Alltag viel ernster prägt und welcher uns im Jubiläumsjahr unserer Fraueneinrichtungen Haus Rosalie und VinziLife besonders beschäftigt: die gesellschaftlichen Rollen in die Frauen täglich schlüpfen – und die Erwartungen und sozialen Folgen die sich für sie daraus ergeben. 


Denn während wir an diesem Nachmittag fiktive Rollen übernommen haben, begleiten uns im Alltag Rollen, aus denen wir nicht einfach aussteigen können – und wenn wir es doch tun, verurteilt werden. Die Rolle als Frau, als Mutter, als Unterstützerin. Rollen und damit einhergehende Erwartungen die selten hinterfragt werden – und die viele Frauen über Jahre hinweg tragen. Manche bis zur völligen Erschöpfung.

Schon als Mädchen lernen wir: Sei freundlich. Sei hilfsbereit. Sei verständnisvoll. Nimm dich selbst nicht zu wichtig. Und: Kümmere dich lieber als zu fordern. Um deine Geschwister, später um deine Kinder, deine Eltern, deine Partner. Das wird nicht immer klar gesagt – aber es steckt implizit überall drin: in den Gesprächen die wir hören, in Filmen, in den Kommentar-Spalten.

Und irgendwann wird daraus ein Lebensentwurf: Frauen, die alles für andere geben, aber selten etwas zurückbekommen. Die in schlecht bezahlten Branchen arbeiten – oft mit Teilzeitvertrag, schlechtem Lohn, und dem Risiko irgendwann mit einer Mindestpension auskommen zu müssen – weil Teilzeit eben leichter mit der Care-Arbeit vereinbar ist. Frauen die arbeiten, sich sorgen und für das Umfeld aufopfern. Und sich dann in existenziellen Notlagen wiederfinden landen, wenn die Beziehung endet, der Körper nicht mehr mitmacht oder die Psyche unter dem Druck des Funktionierens zusammenbricht.

Was viel zu häufig übersehen wird: Armut trifft nicht einfach irgendwen. Sie trifft besonders häufig Frauen. Weil Sorgearbeit nicht bezahlt wird. Weil Care-Arbeit kaum anerkannt wird. Weil unser politisches und gesellschaftliches System auf einem Rollenbild fußt, das Frauen für alles verantwortlich macht und davon ausgeht, sie würden es aus Liebe tun.

Viele Frauen die wir im VinziLife in den letzten Jahren begleitet haben sind nicht einfach nur „erschöpft“.  Sie sind jahrelang über ihre Grenzen gegangen – haben teilweise überhaupt nie gelernt, dass sie das Recht darauf haben eigene Grenzen zu setzen. Haben durchgehalten, funktioniert, sich angepasst und das Wohl der Anderen dem eigenen vorgezogen. Bis es eben nicht mehr ging. Und selbst dann müssen sich Frauen anhören: „Warum hast du nichts gesagt?“  Aber wer fragt denn jemals: Warum musstest du so viel übernehmen?

Unser Krimi-Dinner war nur ein Spiel. Aber es hat gezeigt, wie viel Freiheit darin steckt, mal jemand anders zu sein. Und wie wichtig es ist, Räume zu schaffen, in denen Frauen einfach nur sie selbst sein dürfen. Ohne Druck, ohne Scham, ohne Schuldgefühle.