Zuerst erschienen im „Armendienst“, Jahrgang 39/3, im August 2024
Im Kloster der Barmherzigen Schwestern in der Stadt Salzburg geht eine außergewöhnliche Frau ihrer Berufung nach: Schwester Erika, eine liebenswerte Seele, die nach jahrzehntelangem Dienst in ihrer Glaubensgemeinschaft sich mit dem Beginn des Ruhestandes einer neuen, selbstlosen Aufgabe widmete: der Ausspeisung der Menschen in Not in der Wärmestube. Ihr Wirken ist im Laufe der letzten zwanzig Jahre zu einem Symbol der Hoffnung und des Mitgefühls geworden. Dieser Artikel taucht ein in das Leben von Schwester Erika, die durch ihre Werte und ihren Einsatz vielen Menschen in Salzburg Menschlichkeit und Nahrung – sowohl körperlich als auch seelisch – spendet. Von: Petra Scherer

Die Mission nach der Pension
Es war eine Überraschung für Schwester Erika selbst, dass sie – statt in der Altenpflege tätig zu werden – in ihrem Ruhestand noch so eine bedeutungsvolle Aufgabe übernehmen sollte. Mit dem Wunsch, weiterhin Gutes zu tun, fand sie ihre Berufung in der täglichen Ausspeisung für armutsbetroffene Menschen.
20 Jahre unermüdliche Hingabe
Seitdem sind mittlerweile zwei Jahrzehnte vergangen; eine Zeit, in der Schwester Erika und ihr Team täglich die Menschen mit offenen Armen empfangen haben. Unabhängig von Jahreszeit oder Wetter, ist sie das verlässliche Gesicht in der Wärmestube. Sie koordiniert die Zubereitung der Mahlzeiten und arbeitet Hand in Hand mit lokalen Betrieben, die Lebensmittel spenden. Ihre Anwesenheit sorgt neben Geborgenheit und Wohlgesonnenheit auch für Ruhe und Ordnung.
Wärmestube – ein Ort der Nächstenliebe
In der Wärmestube, wo in der Früh der Duft von frischem Brot und zu Mittag der jener von herzhaften Eintöpfen in der Luft liegt, wird Schwester Erikas Philosophie greifbar: Liebe geht durch den Magen. Jede Mahlzeit, die gekocht wird und jeder Teller, der ausgeteilt wird, wird mit einem Lächeln der Wertschätzung präsentiert. Dem Team der Wärmestube ist es wichtig, dass nicht nur der Hunger gestillt, sondern auch die menschliche Würde geachtet wird.
Das Gesicht der Menschlichkeit
Schwester Erika hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Wärmestube zu einem Ort der Nächstenliebe zu machen. Daher werden sie und das Team der Wärmestube nicht nur als Essenausteiler wahrgenommen, sie übernehmen noch weitere Aufgaben: zuhören, reden und beraten.
Wenn Sorgen geteilt werden stehen sie mit Rat und Tat zur Seite. Die Gäste, die die Wärmestube besuchen, sind sehr unterschiedlich und doch verbindet alle das gleiche: der Respekt und die Dankbarkeit gegenüber Schwester Erika und allen Helfer*innen, die die Bedürfnisse der Gäste nach Nahrung, Wärme und menschlichem Kontakt stillen.
Weit mehr als „nur“ Essen
Die Reichweite des Engagements der Mitarbeiter*innen in der Wärmestube erstreckt sich weit über die Mahlzeiten hinaus. Sie haben erkannt, dass echte Hilfe darin besteht, Menschen in die Lage zu versetzen, ihr eigenes Leben zu verbessern. Ein offenes Ohr, einfache Hilfestellungen oder Information über Anlaufstellen und Kontaktmöglichkeiten helfen den Menschen, die am äußersten Rand der Gesellschaft stehen. Ein kleiner Denkanstoß von Außenstehenden wird oft als sehr wertvoll empfunden.
Die Herausforderungen und Freuden
Die Wärmestube wird über das Kloster der Barmherzigen Schwestern verwaltet, allerdings stehen aktuell gerade notwendige bauliche Umbauten an, weshalb der Betrieb momentan sehr stark eingeschränkt ist. Eine besondere Herausforderung stellen dabei zum Beispiel Begegnungen mit Gästen, die in tiefer Verzweiflung und physische Erschöpfung die Einrichtung aufsuchen, dar.
Das Team rund um Schwester Erika bemüht sich jeden Tag, neben der Essensausgabe auch zuzuhören und zu helfen. Die Gesten der Dankbarkeit und Freude, wenn ein Gast seine warme Mahlzeit genießt oder die dankbaren Worten geben den Helfer*innen genügend Kraft, weiterzumachen.
Die Zukunft der Wärmestube
Durch dieses große Engagement hat sich die Wärmestube zu einer unersetzlichen Einrichtung etabliert – was die Anzahl der Gäste auch bestätigt. Mittlerweile hat sich Schwester Erika ein wenig aus der täglichen Ausspeisung zurückgezogen; sie steht aber weiterhin im Hintergrund mit Rat und Tat zur Verfügung.
Und dennoch schaut sie fast jeden Tag während der Ausspeisung nach dem Rechten und kann es sich nicht nehmen lassen, mindestens einmal pro Woche selbst in der Ausgabe zu stehen und mit den schweren Töpfen zu hantieren.
Auch der VinziBus Salzburg profitiert von der Wärmestube
Der VinziBus Salzburg verteilt täglich an seine Gäste abends Mahlzeiten. Das gespendete Essen kommt von Pfarren, Sozialkreisen und Privatpersonen. Damit für das leibliche Wohl gesorgt ist, stellt die Wärmestube von Schwester Erika häufig die Getränke – heißen Tee oder Saft – zur Verfügung. Vergelt’s Gott für diese unkomplizierte Geste!
In dem mit Schwester Erika geführten Interview durfte ich erkennen, dass die Rente nicht das Ende des Wirkens bedeuten muss, sondern ein neuer Anfang sein kann, um der Welt etwas zurückzugeben.
Schwester Erikas Geschichte beschreibt ein Leben, das dem Dienst an den anderen gewidmet ist. Ihr Beispiel sollte jede*n von uns motivieren, die eigene Rolle in der Gemeinschaft zu überdenken. Schwester Erikas Name und ihr herausragendes Engagement für die Wärmestube sind ein Zeichen für ihre Mitmenschlichkeit und ihre Großzügigkeit.
