Zuerst erschienen im „Armendienst“, Jahrgang 39/3, im August 2024
Seit vielen Jahren unterstützt VinziTisch Menschen in schwierigen Lebensphasen. Die Wege der Unterstützung sind vielfältig, darüber haben wir in früheren Beiträgen schon berichtet. Zum Beispiel über unsere wöchentliche Lebensmittel-Verteilung seit 2010 oder über eine Aktion, in der wir zu Ramadan mit muslimischen Jugendlichen gemeinsame, karitative Projekte unterstütz haben. Heute wollen wir unsere Sattelschlepper-Aktion in den Vordergrund stellen, die 2016 ihren Ursprung genommen hat.
Von: Andrea Bachinger

Wer hat nicht Dinge im Keller oder auf dem Dachboden, die zum Entsorgen zu schön, aber zum Benützen zu alt sind? Wer hat nicht Kleidungsstücke im Kasten aus denen man herausgewachsen ist, oder die einem nicht mehr so recht gefallen? Auch bei Haushaltsauflösungen, oder wenn Menschen ihre Wohnsituation verändern möchten bleiben Gegenstände übrig, die nicht mehr gebraucht werden. Die Liste ist vielfältig: Kleidung, Schuhe, Kinderwaren, Spielsachen, Gitterbetten, Fahrräder, medizinische Hilfsmittel und Rollatoren.
Mit der Bitte, sie uns in Bananenkartons zu bringen, sammeln wir seit Jahren Kleidungsstücke und andere Gegenstände, von denen man sich trennen kann und die noch sehr gut benützbar sind. Anfangs bekamen wir sogar Betten und Matratzen oder schwere Kästen. Seither ist es uns schon gelungen, eine ganze Schulklasse mit Stühlen auszustatten!
All diese Dinge tragen hilfsbereite Menschen zusammen und bringen sie zu uns. Auf diese Weise sammeln wir seit 2016 Sachspenden aus Salzburg und Umgebung, die verpackt bis heute mehr als 40.000 Bananenkartons ergeben haben! Verstaut werden sie dann schlussendlich in einem Sattelschlepper und nach Gabrowo in Bulgarien gebracht. Gabrowo ist eine kleine, unscheinbare Universitätsstadt etwa 200 Kilometer von der Hauptstadt Sofia entfernt. Der Nachhaltigkeitsgedanke steht für uns im Vordergrund: Statt für den Trasport einen Sattelschlepper anzumieten wenden wir uns an Unternehmen, deren Lkws sich ohnehin auf dem Rückweg vom Norden in den Südosten befinden. So wird eine Leerfahrt zur karitativen Hilfsfahrt.



Unser Sattelschlepper ist in Salzburg bei der Spedition Rhedey geparkt und es kommt mitunter vor, dass wir uns zwischen dicke Straßenbrummer durcharbeiten. Denn bevor der Sattelschlepper Fahrt aufnimmt, müssen rund 1.300 Kartons gestapelt werden. Die Aufgabe gestaltet sich umso schwieriger, wenn die Gegenstände nicht gut in Bananenschachteln zu verstauen sind – oftmals erinnert unsere Arbeit dann an das Computerspiel „Tetris“. An dieser Stelle möchte ich einmal mehr betonen, wie wichtig ehrenamtlich tätige Menschen sind. Nur um den Sattelschlepper zu befüllen braucht es einen ganzen Vormittag von zehn freiwilligen Helfer*innen – ein Kraftakt, den wir uns in Form von bezahlter Arbeit nie leisten könnten. Außerdem können diese Kartons ein ordentliches Gewicht auf die Waage bringen – vor allem, wenn sie mit Geschirr gefüllt sind. Es ist körperlich extrem anstrengend und manch eine*r hat sich schon durch akrobatische Leistungen in Vordergrund gehoben.
Hat der Sattelschlepper dann sein Ziel erreicht, wird der Inhalt von Stefan entgegengenommen – ein Mensch, dem man für sein Tun nur Bewunderung entgegenbringen kann. Er macht es nicht nur möglich, dass die gespendeten Waren an Menschen in Not verteilt werden; ganz „nebenbei“ hat er ein eigenes Werk aufgebaut. So unterstützt er Menschen am Rande der Gesellschaft und verhilft ihnen so wieder zu einem selbständigen Leben.
Wir von VinziTisch besuchen ihn alle drei bis vier Jahre und bewundern immer wieder die Tatkraft von Stefan, und freuen uns, ihn unterstützen zu können.
