Ein letztes Ma(h)l

Festmahl zum Abschied von einer VinziLife-Bewohnerin.

Text und Rezepte von: Gisela Kurath

Dieser Artikel erschien zuerst im Armendienst 37/2, Juni 2022

Foto von pxhere

Gleich zu den Rezepten springen!

Das letzte Mal gemeinsam die Willkommenszigarette rauchen zu Dienstbeginn. Das letzte Mal Geschichten aus der Kindheit hören. Das letzte Mal gemeinsam fernsehen. Das letzte Mal „Gute Nacht, schlaf gut“ sagen.

Mein letztes Mal mit Christa, das war ein Gespräch um 2 Uhr nachts, auf den Sesseln vor dem Dienstzimmer. Mein letztes Bild von Christa im Pyjama, mit offenem Haar und wir haben gelacht, darüber, wie sich das älter Sein anfühlt. Ohne Zähne und so langsam. Eine schon gewohnte Diskussion über „doch noch eine Tablette, bitte?!“ haben wir geführt, haben es abwenden können uns sind wieder schlafen gegangen. Wir haben ruhig geschlafen die restliche Nacht. Wie ein junges Mädchen, mit schelmischen Augen, Selbstironie und Witz auf den Lippen – so darf ich Christa nach dieser Nacht in Erinnerung behalten.

Das letzte Mal – und wir wussten es nicht.

Mein letztes Mahl mit Christa bestand aus Erdäpfelgratin mit Schweinskoteletts und Vogerlsalat. Oft haben wir (alle) miteinander gegessen in den drei Jahren, die ich Christa kennen durfte. Reich war diese Zeit. Den Strudelteig zu machen wollte sie mir noch beibringen! – Jetzt muss ich es doch alleine versuchen. Jeder Strudelteig wird mich an sie erinnern. Und ich werde mich fragen: „Wie hätte Christa das wohl gemacht?“ Dann wird’s mir schon gelingen.

Ein letztes Mahl möchte ich kochen für Christa und sie noch einmal gedanklich zu uns an den Tisch holen. Geschichten über Christa wollen wir uns erzählen, sie fest in unserer Erinnerung verankern, uns von ihr gemeinsam verabschieden und sie dennoch bei uns wissen. Sie hat sich etwas außergewöhnliches gewünscht, das letzte Mal als wir uns gesehen haben (gefüllte Kalbsschnitzerl hat sie erwähnt).
Es wird also gekocht werden und der Tisch liebevoll und aufmerksam gedeckt:

Petersiliencremesuppe mit frischen Frühlingszwieberl und Croutons – für den Frühling, in dem sie geboren ist.

Saltimbocca alla Romana (Kalbsschnitzerl mit Salbei und Prosciutto), dazu Bandnudeln mit Sauce – für die Sehnsucht nach dem Meer, das sie gerne nochmal gesehen hätte.

Vogerlsalat mit Erdäpfeln und Kernöl – für Christas Bodenständigkeit.

Eiskaffee, mit selbstgemachtem Vanilleeis – für die süßen Momente im Leben.

Petersiliencremesuppe

  • 1 Zwiebel schälen, kleinschneiden und in 1 EL Butter anrösten.
  • 4-5 Petersilienwurzen schälen, grob würfeln und zugeben.
  • 1 Knoblauchzehe schälen und blättrig geschnitten zugeben, kurz mitrösten.
  • Mit eine Schuss Apfelessig löschen.
  • Salzen, pfeffern, 1/2 TL gemahlenen Kümmel zugeben.
  • Mit Wasser angießen, 15 Minuten auf mittlerer Hitze weichkochen .
  • 1/16 l Obers zugeben, ein paar Minuten weiterköcheln.
  • Mit dem Pürierstab pürieren, durch ein Sieb passieren.
  • Mit gerösteten Brotwürferln und frisch geschnittenen Frühlingszwieberln servieren.

Saltimbocca alla Romana

  • Kalbsschnitzerl klopfen, salzen und pfeffern, auf einer Seite bemehlen.
  • Jeweils auf die Seite ohne Mehl eine Scheibe Prosciutto und ein Salbeiblatt auflegen,
    zusammenrollen und mit einem Zahnstocher befestigen.
  • In einer Pfanne in Butter rundherum anbraten, beiseite stellen.
  • In der Pfanne nun grob geschnittenes Wurzelgemüse anrösten, mit Wasser angießen, die
    Röllchen wieder einlegen und 30 Minuten köcheln lassen.
  • Die Röllchen in einen Topf legen, das Gemüse abgießen und den Saft auffangen.
  • Den Saft In einem hohen Gefäß mit einem Teil vom Gemüse, 1 EL Mehl und 1 EL Butter
    aufmixen, zu den Röllchen in den Topf gießen und einmal aufkochen lassen, den Herd
    abdrehen und zudecken.
  • Bandnudeln weichkochen, mit den Röllchen und dem Saft servieren.

Vogerlsalat mit Erdäpfel

  • 200 g festkochende Erdäpfel in der Schale kochen, schälen und schneiden.
  • Die noch warmen Erdäpfel mit Kernöl, Apfelessig, 1 TL Senf, 1TL Zucker, 1 gehackten Knoblauchzehe, 1 Messerspitze Kümmel, Salz und Pfeffer abrühren.
  • Vor dem Servieren den geputzten Vogerlsalat unterheben.

Vanilleeis

  • 1 Vanilleschote längs einschneiden und das Mark herauskratzen.
  • 1/4 l Sahne und 1/4 l Milch in einen Topf geben und das Vanillemark und die Schote
    dazugeben. Kurz aufkochen lassen und etwas abkühlen lassen.
  • 6 Eigelbe mit 100 g Zucker mit einem Handrührgerät schaumig aufschlagen. Die Sahne-Milch-
    Mischung dazugeben und rühren, bis alles vermischt ist. Das Ganze in einen Topf geben und
    ca. 5-10 Minuten unter Rühren eindicken lassen.
  • Die Masse auf Zimmertemperatur abkühlen lassen – hin und wieder umrühren.
  • Danach in ein gefriergeeignetes Gefäß geben, abdecken und insgesamt für mindestens 3
    Stunden ins Gefrierfach stellen. Nach jeweils 40 Minuten die Masse kräftig umrühren und
    so lange im Gefrierfach lassen, bis sie vollständig gefroren ist.
  • Espresso kochen, mit einem Löffel Vanilleeis, Waffeln und Schlagobers servieren.

Danke für die Zeit, in der wir uns kennenlernen durften.
Ruhe in Frieden, Christa.